Seit 2005 betreue ich Kund*innen in West- und Süddeutschland, sowohl Privatleute als auch Freiberufler*innen und Gewerbetreibende, mit folgenden Leistungen:
Informationen zu Kosten entnehmen Sie bitte den Preisinformationen.
Erreichbar bin ich telefonisch unter (04131) 994 1175. Nachrichten auf meinen Anrufbeantworter werden mir auf meine Mobilgeräte weiter geleitet.
Als Gewerbetreibender bin ich seit 2024 - unfreiwillig - Mitglied der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg. Die macht sich derzeit für den Ausbau der Autobahn 39 stark, den ich vehement ablehne. Aber die Kammer gibt sich in der Öffentlichkeit als Organ mit nur einer Stimme, und zwar für den Ausbau.
Das finde ich nicht in Ordnung und schreibe an den Geschäftsführer des regionalpolitischen Ausschusses der IHK Lüneburg:
Guten Tag, Herr Siewert!
Den Medien entnehme ich, dass sich die IHK Lüneburg-Wolfsburg öffentlich zum Ausbau der A 39 positioniert.
Seit gut einem Jahr bin ich als Gewerbetreibender Mitglied der Kammer. Bei meiner Aufnahme habe ich in Ihrem Fragebogen angegeben, ich wolle "an weiteren Umfragen teilnehmen, damit die IHK auf möglichst breiter Basis die politischen Interessen ihrer Mitgliedsunternehmen vertreten kann". Ich kann mich nicht erinnern, eine Einladung zum politischen Diskurs erhalten zu haben, lese nun aber Ihre Mitteilungen, es gebe aus unserer Kammer eine "Breite Allianz für die A 39". Aus dieser Annahme heraus unterstützen Sie den "Nordland-Autobahnverein" (NAV) und seine Plattform "Unsere A 39".
Bitte nehmen Sie zur Kenntnis: Dies tun Sie nicht in meinem Namen!
Die vom NAV vorgebrachten Argumente finde ich erschütternd kurzsichtig ("größeres Potenzial", "stärkere Wirtschaft"), teils schlicht beschönigend ("mehr Familienfreizeit", "stille Orte") und falsch ("weniger Emissionen"). Nichts davon versucht "Unsere A 39" auf der Internetseite irgendwie zu belegen oder mit Fakten zu unterfüttern; der Verein drischt Parolen.
Herr Siewert, ich bitte Sie eindringlich, dass Sie auch auf der Internetseite der IHK deutlich machen: Die Unterstützung des A 39-Ausbaus ist kein Konsens in der Kammer. Ferner würde ich mir wünschen, dass Sie ein Stimmungsbild aus der Mitgliedschaft abfragen. Ich rechne damit, dass ich nicht der Einzige bin, der anderer Meinung ist.
Ich persönlich schließe mich ausdrücklich der Argumentation u.a. des BUND an, die ich hier zitiere (Stand Mai 2022):
"Nutzen-Kosten-Schönrechnerei
Für die A 39 fließen sieben bis achtmal so viele Gelder von Steuerzahler*innen, wie für den Ausbau der B 4 notwendig wären. Dabei liegt das Nutzen-Kosten-Verhältnis der Bundesstraße bei Faktor 4 und das der Autobahn laut offizieller Prognose lediglich bei 2,1. In einer Neubewertung würde die A 39 wohl nicht einmal mehr den Faktor 1 erreichen, da sich nicht nur die Kosten erhöht, sondern auch der anzunehmende Nutzen drastisch verringert hat.
Auch die berechneten Fahrgeschwindigkeiten sind auf vielen Streckenabschnitten zu hoch angesetzt. Eine kleinteiligere Anbindung der regionalen Gewerbegebiete und der Wirtschaft durch die B 4 würde, wie Studien der Uni Lüneburg zeigen, mehr regionales Wirtschaftswachstum generieren.
Trugschluss Lückenschluss
Offiziell wird die A 39 auch mit der Notwendigkeit eines Lückenschlusses im norddeutschen Fernstraßennetz begründet. Nur 25 Kilometer entfernt von der parallel verlaufenden A 7 wird sie als entscheidender Beitrag zur Raumerschließung und Anbindung des Hinterlandes zu den norddeutschen Seehäfen betrachtet. In den BVWP-Bewertungen wurde zunächst nur eine mittlere Raumwirksamkeit festgestellt. Nachträglich wurden die Schwellenwerte für eine „hohe“ Raumwirksamkeit abgesenkt und der Neubau nachträglich mit einer „hohen“ Raumwirksamkeit ausstaffiert. Der Neubau der A 39 ist jedoch für das bundesweite Autobahnnetz nicht notwendig. Auch die große Bedeutung für den angeblich rasch wachsenden Hafenhinterlandverkehr ist nicht ersichtlich. Der Seehafentransport stagnierte 2019 auf dem Niveau des Jahres 2008. Ein neues Gutachten für die Hafenverwaltung ermittelte, dass die Umschläge des Hamburger Hafens bis 2035 nur geringfügig zulegen werden – im Schnitt um ein Prozent pro Jahr. 16 Damit sind die Prämissen für die Einstufung der A 39 in den Vordringlichen Bedarf nicht gegeben.
Tausche Natur und Landschaft gegen viel Autobahn-Geld
Für die geplante A 39 wird die Zerschneidung mehrerer Natura-2000- und Naturschutzgebiete sowie negative Beeinträchtigungen von Gewässern in Kauf genommen. Es ist höchste Zeit, dieses Projekt auf den Prüfstand zu stellen. In mehreren Abschnitten führt die Trasse durch größere Waldgebiete, was umfangreiche Rodungen bedeuten würde. Mit der Autobahn würde einer der größten unzerschnittenen und verkehrsarmen Räume in Deutschland durchschnitten und die Vernetzung von Lebensräumen verhindert. In weiten Bereichen der geplanten A 39 kommen gefährdete Wildkatzenarten und der Wolf vor. Obwohl dies in der BVWP-Bewertung und Online-Projektbeschreibung unter www.bvwp-projekte.de so nicht angegeben wird, liegen zudem Teile der Autobahn in Wasserschutzgebieten, wo mehrere Oberflächengewässer bereits heute in einem schlechten Zustand sind. Nach europäischer Wasserrahmenrichtlinie sind Gewässer in diesem Zustand jedoch vor weiteren Schadstoffeintragungen zu schützen.
Ausbaualternative vorhanden
In allen Aspekten ist der bedarfsgerechte Ausbau der parallel verlaufenden B 4 ausreichend. Zusätzlich wären vier bis fünf zusätzliche Ortsumfahrungen sinnvoll, um besonders belastete Ortschaften vom Durchgangsverkehr zu entlasten. Die voraussichtlichen Kosten hierfür wären mit weniger als 200 Millionen deutlich niedriger und die Umweltbetroffenheit viel geringer, weil keine umfangreiche Zerschneidung eines bisher unzerschnittenen verkehrsarmen Raumes vorgenommen werden müsste."
Ihre Stellungnahme zu meiner E-Mail würde mir etwas bedeuten.
Mit Dank und Gruß
Martin Schniewind